Mein Tagebuch

Vorwort

Lieber Leser,

dieses Tagebuch erzählt die Geschichte von Felix.

Eine Geschichte, die fast zu Ende war, bevor sie überhaupt beginnen konnte.

Im Januar 2026 haben wir Felix in der Tötung von Sibiu in Rumänien entdeckt. Sein Zustand war erschütternd. Felix war stark abgemagert, dehydriert, völlig verfilzt und litt unter einer schweren Ohrenentzündung. Niemand schien sich für ihn zu interessieren. Tag für Tag wurde an ihm vorbeigegangen. Es wurde einfach weggesehen. Es war fünf vor zwölf.

Doch wir haben nicht weggesehen. Wir haben Felix die Chance gegeben, die er verdient hat.

Wir holten ihn aus der Tötung. Er wurde medizinisch versorgt und bekam die Behandlung, die er so dringend brauchte. Bei unserer lieben Cristina durfte er ankommen, wurde aufgepäppelt und lernte wieder zu vertrauen. Viele von euch unterstützten Felix bereits in dieser schweren Zeit mit Spenden, Anteilnahme und guten Wünschen. Dank dieser großartigen Hilfe konnte er auf ein neues Leben vorbereitet werden.

Heute ist Felix in Deutschland. Doch seine Reise ist noch nicht zu Ende.

Felix lebt mittlerweile auf seiner Pflegestelle bei unserer lieben Astrid. Hier darf er ankommen und die schönen Seiten des Lebens kennenlernen. Gleichzeitig wird er weiterhin medizinisch betreut.

Felix hat bereits viele Menschen berührt, die seinen Weg verfolgen und ihn auch weiter unterstützen möchten. Menschen, die an ihn glauben.

Mit diesem Tagebuch möchten wir allen, die Felix begleiten, einen Einblick in seine Welt geben. In seine Gedanken, seine kleinen Abenteuer, seine Fortschritte und die besonderen Momente seines neuen Lebens.

Vielleicht lernt ihr Felix dabei ein wenig besser kennen. Vielleicht möchtet ihr ihn auf seinem Weg in sein eigenes Zuhause unterstützen. Indem ihr seine Geschichte teilt. Indem ihr dafür sorgt, dass mehr und mehr Menschen Felix sehen, ihn lieben lernen und ihn unterstützen möchten.

Und vielleicht bist genau du der Mensch, dessen Herz Felix berührt. Der Mensch, bei dem er endlich ankommen darf. Der Mensch, den Felix sein Zuhause nennen wird.

Nun lassen wir Felix selbst erzählen.

Bevor Tag 1 beginnt – Es gibt doch noch ein Morgen

Hallo. Ich bin Felix.

Wie alt ich bin, weiß ich nicht genau. Die Menschen sagen, vielleicht 6. Mir ist das egal. Ich bin Felix.

Vor ein paar Monaten dachte ich, alles ist vorbei. Ich war an einem Ort in Rumänien. Die Menschen nennen ihn Tötung Sibiu.

Da war es kalt. Und ungemütlich. Ich hatte Hunger. Sehr großen Hunger. Und Durst. So großen Durst. Mein Ohr tat so doll weh. Den Menschen dort war das alles egal. Ich habe mich oft zusammengerollt und gewartet. Ich war müde. So müde. Ich wusste nicht, ob es morgen noch gibt.

Dann kamen andere Menschen. Freundliche Menschen. Sie haben mich angesehen. Und sie haben mich mitgenommen. Sie haben mir Futter gegeben. Wasser auch. Langsam wurde alles besser. Mein Bauch wurde wieder voll. Mein Fell wurde schöner. Mein Ohr tat irgendwann nicht mehr ganz so doll weh. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich alles wieder ein bisschen gut an.

Heute bin ich in Deutschland. Die Menschen sagen, sie wollen mir helfen. Wegen meiner Ohren. Ich kann nicht hören. Aber sie tun nicht mehr weh. Das ist schön.

Ich weiß nicht, was als Nächstes passiert. Aber ich möchte mir merken, was passiert. Vor allem die guten Dinge. Und vielleicht werden es jetzt mehr gute Dinge.

Deshalb fange ich heute mit meinem Tagebuch an.

 

Tag 1 – Ein neuer Ort

Heute bin ich an einem neuen Ort angekommen.

Als Erstes habe ich eine große Wiese entdeckt. Das war gut. Neue Orte lernt man am besten mit der Nase kennen. Das habe ich gemacht.

Dann habe ich ganz viele Hunde getroffen. Die wohnen hier wohl auch alle.

Charly mag ich. Ich glaube, der weiß hier über alles Bescheid.

Muffin ist auch okay. Den muss ich noch besser kennenlernen.

Bei Greta bin ich mir noch nicht sicher. Ihr Maul geht manchmal ganz wild auf und zu und alle reagieren darauf. Warum, weiß ich nicht.

Und dann war da noch Vivi. Die ist toll. Ich will ihr Freund sein.

Mein Pflegefrauchen heißt Astrid. Die mag ich auch. Sie versteht mich. Wir reden mit Blicken und Bewegungen. Ich verstehe sie. Ich mag Menschen, die mich verstehen.

Jetzt liege ich auf meinem gemütlichen Platz. Die anderen sind da. Niemand schickt mich weg. Das fühlt sich gut an. Morgen schaue ich mir alles hier mal genauer an.

Aber jetzt bin ich müde. Gute Nacht. Felix

 

Tag 2 – Hitze

Heute war es warm. Nein. Heiß. Astrid sagt, es waren über 30 Grad. Ich weiß nicht, was 30 Grad sind. Aber wenn sich sogar die Wiese warm anfühlt, dann muss das viel sein.

Ich habe deshalb beschlossen, nicht viel zu machen. Die anderen waren auch meiner Meinung. Und wenn Charly das sagt, muss das ja stimmen. Charly weiß alles!

Zum Glück gibt es hier viele schöne Schattenplätze. Mal unter einem Baum im Garten. Mal irgendwo, wo die Sonne mich nicht finden kann.

Und immer war genug Wasser da. Das finde ich gut. Wasser ist wichtig. Ich weiß noch, wie es ohne Wasser war.

Astrid war trotzdem die ganze Zeit unterwegs. Sie läuft hierhin und dorthin und macht ständig irgendetwas. Ich verstehe das nicht. Es ist doch noch ein Platz im Schatten frei. Leg dich doch zu uns!

Am Abend wurde es schöner. Da habe ich tief durchgeatmet. Viel besser.

Trotzdem bin ich müde. Gute Nacht. Felix

 

Tag 3 – Anders hören

Letzte Nacht war am Himmel irgendetwas los. Ich höre ja nichts. Aber trotzdem habe ich es gemerkt.

Die Luft war anders. Und manchmal war da kurzes Licht am dunklen Himmel. Und dann kam ganz viel Wasser vom Himmel. Das war mir nicht geheuer. Astrid hat das bemerkt.
Sie hat sich zu mir gelegt, mich gekrault und dabei ihre Lippen so lustig bewegt. Das machen Menschen ständig. Was das wohl soll? Ich habe ihre Hand gespürt. Und ich habe gespürt, dass alles in Ordnung ist.

Heute hat Astrid wieder meine Ohren untersucht. Und dann kamen die Ohrentropfen.
Die mag ich nicht besonders. Aber danach gibt es immer ein Leckerli und ganz viel Ohrenkraulen. Das mag ich.

Ohren untersuchen scheint normal zu sein. Bei den anderen hat Astrid das heute auch gemacht. Aber ich habe das genau beobachtet. Ohrentropfen sind nur für mich.

Vielleicht höre ich nicht mit den Ohren. Aber irgendwie höre ich trotzdem. Nur anders als die anderen.

Gute Nacht. Felix

 

Tag 4 – Ganz schön viele

Am Anfang dachte ich, hier wohnen einfach ganz viele Hunde. Mittlerweile kenne ich sie besser.

Charly ist der Chef. Das sagt keiner. Das weiß einfach jeder. Charly weiß immer, was hier los ist. Wenn jemand am Zaun steht, weiß Charly das zuerst. Wenn Astrid irgendwo hingeht, weiß Charly, wo sie hinwill. Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, schaue ich oft einfach ihn an. Das hilft.

Dann ist da Greta. Am Anfang war ich mir bei ihr nicht sicher. Ihr Maul ging ständig auf und zu und ich wusste nicht warum. Mittlerweile weiß ich, dass Greta auf alles aufpasst. Manchmal sagt sie mir auch, wenn ich irgendwo nicht hingehen soll. Ich glaube, sie wäre gerne der Chef. Aber das ist schon Charly. Trotzdem mag ich Greta. Sie passt auch auf mich auf.

Muffin fand mich am Anfang nicht besonders spannend. Dann hat er wie Greta auch immer wieder sein Maul auf und zu gemacht. Warum, weiß ich bis heute nicht. Aber inzwischen ist alles gut. Heute durfte ich sogar ins Wohnzimmer. Das durfte ich vorher nicht. Ich glaube, Muffin hat entschieden, dass das in Ordnung ist. Die anderen hatten auch nichts dagegen. Das hat mich gefreut.

Und dann ist da Vivi. Vivi war von Anfang an nett zu mir. Das habe ich sofort gemerkt. Wenn alles neu ist, sind freundliche Hunde etwas Besonderes. Ich will immer noch, dass Vivi meine beste Freundin ist. Das wäre schön.

Milow gehört auch zum Rudel. Das ist ein ganz seltsamer Hund. So klein. Er riecht gar nicht nach Hund. Und er guckt mich immer mit ganz großen Augen an, wenn er irgendwo ganz oben sitzt. Astrid sagt, er ist ein Kater. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ein Kater ist. Manchmal läuft er einfach an mir vorbei, als wäre ich gar nicht da. Das finde ich etwas seltsam. Aber böse ist er nicht. Nur anders.

Und dann gibt es noch Astrid. Sie nennt sich Dosenöffnerin. Das glaube ich nicht. Dosen öffnen kann jeder Mensch. Astrid versteht mich, obwohl ich nichts höre. Sie passt auf uns alle auf. Und irgendwie hören sogar Chef Charly und Möchtegern-Chefin Greta auf sie. Vielleicht ist sie doch der eigentliche Chef. Ich beobachte das mal.

Jetzt liege ich in meinem Bett. Mein Kopf ist müde. Es ist gar nicht so einfach, ein ganzes Rudel kennenzulernen. Aber ich glaube, ich kenne sie jeden Tag ein bisschen besser. Und vielleicht gehöre ich inzwischen schon ein kleines bisschen dazu.

Gute Nacht. Felix

 

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