Mein Tagebuch

Vorwort

Lieber Leser,

dieses Tagebuch erzählt die Geschichte von Felix.

Eine Geschichte, die fast zu Ende war, bevor sie überhaupt beginnen konnte.

Im Januar 2026 haben wir Felix in der Tötung von Sibiu in Rumänien entdeckt. Sein Zustand war erschütternd. Felix war stark abgemagert, dehydriert, völlig verfilzt und litt unter einer schweren Ohrenentzündung. Niemand schien sich für ihn zu interessieren. Tag für Tag wurde an ihm vorbeigegangen. Es wurde einfach weggesehen. Es war fünf vor zwölf.

Doch wir haben nicht weggesehen. Wir haben Felix die Chance gegeben, die er verdient hat.

Wir holten ihn aus der Tötung. Er wurde medizinisch versorgt und bekam die Behandlung, die er so dringend brauchte. Bei unserer lieben Cristina durfte er ankommen, wurde aufgepäppelt und lernte wieder zu vertrauen. Viele von euch unterstützten Felix bereits in dieser schweren Zeit mit Spenden, Anteilnahme und guten Wünschen. Dank dieser großartigen Hilfe konnte er auf ein neues Leben vorbereitet werden.

Heute ist Felix in Deutschland. Doch seine Reise ist noch nicht zu Ende.

Felix lebt mittlerweile auf seiner Pflegestelle bei unserer lieben Astrid. Hier darf er ankommen und die schönen Seiten des Lebens kennenlernen. Gleichzeitig wird er weiterhin medizinisch betreut.

Felix hat bereits viele Menschen berührt, die seinen Weg verfolgen und ihn auch weiter unterstützen möchten. Menschen, die an ihn glauben.

Mit diesem Tagebuch möchten wir allen, die Felix begleiten, einen Einblick in seine Welt geben. In seine Gedanken, seine kleinen Abenteuer, seine Fortschritte und die besonderen Momente seines neuen Lebens.

Vielleicht lernt ihr Felix dabei ein wenig besser kennen. Vielleicht möchtet ihr ihn auf seinem Weg in sein eigenes Zuhause unterstützen. Indem ihr seine Geschichte teilt. Indem ihr dafür sorgt, dass mehr und mehr Menschen Felix sehen, ihn lieben lernen und ihn unterstützen möchten.

Und vielleicht bist genau du der Mensch, dessen Herz Felix berührt. Der Mensch, bei dem er endlich ankommen darf. Der Mensch, den Felix sein Zuhause nennen wird.

Nun lassen wir Felix selbst erzählen.

Bevor Tag 1 beginnt – Es gibt doch noch ein Morgen

Hallo. Ich bin Felix.

Wie alt ich bin, weiß ich nicht genau. Die Menschen sagen, vielleicht 6. Mir ist das egal. Ich bin Felix.

Vor ein paar Monaten dachte ich, alles ist vorbei. Ich war an einem Ort in Rumänien. Die Menschen nennen ihn Tötung Sibiu.

Da war es kalt. Und ungemütlich. Ich hatte Hunger. Sehr großen Hunger. Und Durst. So großen Durst. Mein Ohr tat so doll weh. Den Menschen dort war das alles egal. Ich habe mich oft zusammengerollt und gewartet. Ich war müde. So müde. Ich wusste nicht, ob es morgen noch gibt.

Dann kamen andere Menschen. Freundliche Menschen. Sie haben mich angesehen. Und sie haben mich mitgenommen. Sie haben mir Futter gegeben. Wasser auch. Langsam wurde alles besser. Mein Bauch wurde wieder voll. Mein Fell wurde schöner. Mein Ohr tat irgendwann nicht mehr ganz so doll weh. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich alles wieder ein bisschen gut an.

Heute bin ich in Deutschland. Die Menschen sagen, sie wollen mir helfen. Wegen meiner Ohren. Ich kann nicht hören. Aber sie tun nicht mehr weh. Das ist schön.

Ich weiß nicht, was als Nächstes passiert. Aber ich möchte mir merken, was passiert. Vor allem die guten Dinge. Und vielleicht werden es jetzt mehr gute Dinge.

Deshalb fange ich heute mit meinem Tagebuch an.

 

20.06.26 – Ein neuer Ort

Heute bin ich an einem neuen Ort angekommen.

Als Erstes habe ich eine große Wiese entdeckt. Das war gut. Neue Orte lernt man am besten mit der Nase kennen. Das habe ich gemacht.

Dann habe ich ganz viele Hunde getroffen. Die wohnen hier wohl auch alle.

Charly mag ich. Ich glaube, der weiß hier über alles Bescheid.

Muffin ist auch okay. Den muss ich noch besser kennenlernen.

Bei Greta bin ich mir noch nicht sicher. Ihr Maul geht manchmal ganz wild auf und zu und alle reagieren darauf. Warum, weiß ich nicht.

Und dann war da noch Vivi. Die ist toll. Ich will ihr Freund sein.

Mein Pflegefrauchen heißt Astrid. Die mag ich auch. Sie versteht mich. Wir reden mit Blicken und Bewegungen. Ich verstehe sie. Ich mag Menschen, die mich verstehen.

Jetzt liege ich auf meinem gemütlichen Platz. Die anderen sind da. Niemand schickt mich weg. Das fühlt sich gut an. Morgen schaue ich mir alles hier mal genauer an.

Aber jetzt bin ich müde. Gute Nacht. Felix

21.06.26 – Hitze

Heute war es warm. Nein. Heiß. Astrid sagt, es waren über 30 Grad. Ich weiß nicht, was 30 Grad sind. Aber wenn sich sogar die Wiese warm anfühlt, dann muss das viel sein.

Ich habe deshalb beschlossen, nicht viel zu machen. Die anderen waren auch meiner Meinung. Und wenn Charly das sagt, muss das ja stimmen. Charly weiß alles!

Zum Glück gibt es hier viele schöne Schattenplätze. Mal unter einem Baum im Garten. Mal irgendwo, wo die Sonne mich nicht finden kann.

Und immer war genug Wasser da. Das finde ich gut. Wasser ist wichtig. Ich weiß noch, wie es ohne Wasser war.

Astrid war trotzdem die ganze Zeit unterwegs. Sie läuft hierhin und dorthin und macht ständig irgendetwas. Ich verstehe das nicht. Es ist doch noch ein Platz im Schatten frei. Leg dich doch zu uns!

Am Abend wurde es schöner. Da habe ich tief durchgeatmet. Viel besser.

Trotzdem bin ich müde. Gute Nacht. Felix

22.06.26 – Anders hören

Letzte Nacht war am Himmel irgendetwas los. Ich höre ja nichts. Aber trotzdem habe ich es gemerkt.

Die Luft war anders. Und manchmal war da kurzes Licht am dunklen Himmel. Und dann kam ganz viel Wasser vom Himmel. Das war mir nicht geheuer. Astrid hat das bemerkt.
Sie hat sich zu mir gelegt, mich gekrault und dabei ihre Lippen so lustig bewegt. Das machen Menschen ständig. Was das wohl soll? Ich habe ihre Hand gespürt. Und ich habe gespürt, dass alles in Ordnung ist.

Heute hat Astrid wieder meine Ohren untersucht. Und dann kamen die Ohrentropfen.
Die mag ich nicht besonders. Aber danach gibt es immer ein Leckerli und ganz viel Ohrenkraulen. Das mag ich.

Ohren untersuchen scheint normal zu sein. Bei den anderen hat Astrid das heute auch gemacht. Aber ich habe das genau beobachtet. Ohrentropfen sind nur für mich.

Vielleicht höre ich nicht mit den Ohren. Aber irgendwie höre ich trotzdem. Nur anders als die anderen.

Gute Nacht. Felix

23.06.26 – Ganz schön viele

Am Anfang dachte ich, hier wohnen einfach ganz viele Hunde. Mittlerweile kenne ich sie besser.

Charly ist der Chef. Das sagt keiner. Das weiß einfach jeder. Charly weiß immer, was hier los ist. Wenn jemand am Zaun steht, weiß Charly das zuerst. Wenn Astrid irgendwo hingeht, weiß Charly, wo sie hinwill. Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, schaue ich oft einfach ihn an. Das hilft.

Dann ist da Greta. Am Anfang war ich mir bei ihr nicht sicher. Ihr Maul ging ständig auf und zu und ich wusste nicht warum. Mittlerweile weiß ich, dass Greta auf alles aufpasst. Manchmal sagt sie mir auch, wenn ich irgendwo nicht hingehen soll. Ich glaube, sie wäre gerne der Chef. Aber das ist schon Charly. Trotzdem mag ich Greta. Sie passt auch auf mich auf.

Muffin fand mich am Anfang nicht besonders spannend. Dann hat er wie Greta auch immer wieder sein Maul auf und zu gemacht. Warum, weiß ich bis heute nicht. Aber inzwischen ist alles gut. Heute durfte ich sogar ins Wohnzimmer. Das durfte ich vorher nicht. Ich glaube, Muffin hat entschieden, dass das in Ordnung ist. Die anderen hatten auch nichts dagegen. Das hat mich gefreut.

Und dann ist da Vivi. Vivi war von Anfang an nett zu mir. Das habe ich sofort gemerkt. Wenn alles neu ist, sind freundliche Hunde etwas Besonderes. Ich will immer noch, dass Vivi meine beste Freundin ist. Das wäre schön.

Milow gehört auch zum Rudel. Das ist ein ganz seltsamer Hund. So klein. Er riecht gar nicht nach Hund. Und er guckt mich immer mit ganz großen Augen an, wenn er irgendwo ganz oben sitzt. Astrid sagt, er ist ein Kater. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ein Kater ist. Manchmal läuft er einfach an mir vorbei, als wäre ich gar nicht da. Das finde ich etwas seltsam. Aber böse ist er nicht. Nur anders.

Und dann gibt es noch Astrid. Sie nennt sich Dosenöffnerin. Das glaube ich nicht. Dosen öffnen kann jeder Mensch. Astrid versteht mich, obwohl ich nichts höre. Sie passt auf uns alle auf. Und irgendwie hören sogar Chef Charly und Möchtegern-Chefin Greta auf sie. Vielleicht ist sie doch der eigentliche Chef. Ich beobachte das mal.

Jetzt liege ich in meinem Bett. Mein Kopf ist müde. Es ist gar nicht so einfach, ein ganzes Rudel kennenzulernen. Aber ich glaube, ich kenne sie jeden Tag ein bisschen besser. Und vielleicht gehöre ich inzwischen schon ein kleines bisschen dazu.

Gute Nacht. Felix

24.06.26 – Spielen

Hier liegen überall komische Sachen herum.

Ein flauschiges Tier, das nicht lebt. Ein großer Ball. Und noch andere Dinge, die offenbar sehr wichtig sind. Die anderen Hunde freuen sich jedenfalls immer riesig darüber.

Heute habe ich endlich verstanden, warum.

Charly war gerade so ein Ding aus dem Maul gefallen. Da habe ich es ihm schnell weggenommen. Was Charly mag, muss toll sein. Charly hat ganz verdutzt geguckt. Aber er ist ein lieber Chef und hat mich machen lassen.

Dann bin ich mit dem Ding durch den Garten gehopst. Und plötzlich hat es Spaß gemacht.

Später habe ich den großen Ball angestupst. Er ist weggerollt. Also bin ich hinterher. Ich glaube, der Ball wollte mit mir spielen.

Spielen ist ja etwas Tolles. Warum kannte ich das noch nicht?

Zwischendurch musste ich mich immer wieder hinlegen und ausruhen. Aber dann habe ich den Ball gesehen. Und das flauschige Tier. Und dann wieder den Ball. Da war es vorbei. Es hat einfach zu doll in den Pfoten gejuckt. Ich musste weiterspielen.

Morgen gehts weiter mit Spielen. Felix

25.06.26 – Meine Mädels 

Heute habe ich über Greta und Vivi nachgedacht. Das sind meine Mädels.

Charly und Muffin mag ich auch.

Aber Greta und Vivi sind anders. Ich kann nicht genau sagen, warum. Es fühlt sich einfach so an.

Astrid sagt, die beiden kommen wie ich aus Rumänien. Ich weiß nicht genau, wo Rumänien ist. Aber ich weiß, dass das der Ort ist, an dem ich vorher war. Das ist der Ort, an dem es mir nicht gut ging.

Manchmal denke ich, Greta und Vivi verstehen Dinge, die ich gar nicht erklären muss. Vielleicht wissen Greta und Vivi genauso wie ich, wie es ist, wenn das Leben nicht immer schön war.

Auf jeden Fall wissen wir alle drei, wie schön es ist, bei Astrid zu sein. Ich bin mir sicher, meine Mädels sehen das genauso.

Bis bald. Felix

26.06.26 – Heute schreibt Astrid 

Heute hat Felix beschlossen, dass ich das Tagebuch schreiben darf. Er meinte nur: „Mach du mal. Ich habe gerade wichtigere Hunde-Dinge zu tun.“

Also erzähle ich euch heute ein bisschen mehr über ihn.

Felix ist ein Mioritic oder ein Mioritic-Mix, genau wissen wir es nicht. Der Mioritic ist ein rumänischer Hirten- und Herdenschutzhund. Diese Hunde sind klug, aufmerksam und brauchen Menschen, die sie liebevoll, konsequent und respektvoll begleiten. Am wohlsten fühlen sie sich auf dem Land, mit Haus und Garten – ihrem eigenen kleinen Revier.

Wenn ich Felix heute anschaue, sehe ich vor allem einen unglaublich lieben, ruhigen und charmanten Hund. Er liebt die Nähe zu seinen Menschen, genießt jede Streicheleinheit, ist freundlich zu jedem Menschen und versteht sich wunderbar mit anderen Hunden. Man hat ihn einfach gern um sich.

Obwohl Felix nichts hört, beobachtet er seine Menschen und andere Hunde ganz genau. Er achtet auf Bewegungen und “hört” so auf seine ganz eigene Art. Er hat gelernt, der Welt auf seine eigene Weise zuzuhören – und macht das mit einer Ruhe und Gelassenheit, die mich immer wieder staunen lässt.

Bis bald, wenn Felix mal wieder wichtigere Dinge zu tun hat. Astrid

27.06.26 – Angekommen

Endlich angekommen!
Heute habe ich etwas festgestellt. Ich glaube, ich bin angekommen.
Früher haben die anderen Hunde manchmal gemeckert, wenn ich irgendwo dazu wollte. Jetzt nicht mehr. Nicht mal Muffin.
Jetzt liege ich einfach zwischen Vivi, Greta und den anderen. Und niemand schickt mich weg. Das ist schön.
Weil es so warm war, haben wir heute alle ein kaltes Handtuch auf den Rücken bekommen. Die Pfoten wurden auch gekühlt.
Die anderen fanden das merkwürdig. Ich nicht. Astrid darf das gerne wieder machen. Am besten sofort. Ich glaube, ich bin inzwischen ein Experte fürs Genießen geworden.
Und weißt du was? Astrid sagt, Felix bedeutet „der Glückliche“. Früher hätte ich nicht gewusst, was sie damit meint. Jetzt liege ich zwischen meinen Freunden, bekomme kalte Handtücher geliefert und keiner meckert mehr. Ich glaube, jetzt verstehe ich es.
Bis bald. Der glückliche Felix

29.06.26 – Viele Menschen mit komischen Dingen

Heute waren wieder ganz viele Menschen hier. Und alle hatten komische Dinge dabei.

Als Erstes kam eine nette Frau auf einem Stuhl mit Rädern. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Frau gab mir Leckerli. Tolle Frau. Toller Stuhl.

Später kam noch eine Frau mit einem großen Ding auf zwei Rädern. Sie fuhr damit bis in den Garten und ließ es dann einfach stehen. Ich habe daran geschnuppert. Es roch nicht nach Hund. Nicht nach Kater. Nur ein bisschen nach Mensch. Trotzdem kann es sich bewegen. Sehr seltsam.

Und dann kam noch ein Mensch mit einem kleinen schwarzen Ding vor dem Gesicht. Immer wieder schaute er dadurch und wollte, dass ich zurückschaue. Menschen sind wirklich komisch. Aber sie haben dabei gesagt, dass ich hübsch bin. Das höre ich inzwischen öfter. Ich glaube, das gefällt mir.

Jetzt liege ich in meinem Bett und denke darüber nach, dass Menschen ständig komische Sachen bei sich haben.

Ich habe mich. Und seit ich hier wohne, hab ich mein Bett. Und meinen Napf. Das reicht mir eigentlich.

Bis bald. Euer Felix

01.07.26 – Heute war ich beim Tierarzt

Heute Morgen wurde ich abgeholt. Ich dachte, wir fahren spazieren. Sind wir aber nicht.

Wir sind zu einem Menschen gefahren, den sie Tierarzt nennen.

Eigentlich wollte ich wachsam bleiben. Trotzdem bin ich irgendwann einfach eingeschlafen. Ich konnte gar nichts dagegen tun.

Als ich wieder wach wurde, war alles irgendwie komisch. Als wäre eine Wolke um meinen Kopf.

Ich glaube, während ich geschlafen habe, haben sie mich von der Nasenspitze bis zur Schwanzspitze untersucht. An meinen Ohren waren sie bestimmt auch wieder. Die fühlen sich ganz anders an. Ich mag es lieber, wenn sie meine Ohren kraulen.

Zum Glück wurde ich bald wieder abgeholt. Bevor wir nach Hause gefahren sind, standen die Menschen noch lange zusammen. Sie guckten mich an, zeigten auf Bilder und unterhielten sich.

Worum es ging, weiß ich nicht. Ich werde Astrid bitten, euch das in den nächsten Tagen zu erzählen.

Jetzt bin ich froh, wieder zu Hause zu sein. Hier kann ich in Ruhe schlafen und darüber nachdenken, was das heute für ein seltsamer Tag war.

Bis bald. Euer Felix

03.07.26 – Ein bisschen hören

Zu Hause bei Astrid und den anderen ist es einfach am schönsten.

Ich habe mich jetzt richtig ausgeschlafen. Und eigentlich wollte ich ja direkt an Astrid übergeben, damit sie endlich erzählt, was beim Tierarzt los war.

Aber zuerst muss ich euch etwas erzählen. Etwas richtig Tolles. Ich höre wieder ein kleines bisschen. Nur auf einem Ohr. Und auch nur ein bisschen. Aber scheinbar kann der Tierarzt zaubern. Das fühlt sich ganz verrückt an. Ich finde das richtig schön.

So konnte mir Astrid auch erzählen, was die Menschen beim Tierarzt alles herausgefunden haben. Ich habe ganz aufmerksam zugehört. Verstanden habe ich trotzdem nicht viel.

Aber ich weiß, dass ich mich gut fühle. Das muss doch etwas Gutes bedeuten.

Den Rest lasse ich jetzt wirklich Astrid erzählen.

 

Ich hätte heute lieber nur gute Nachrichten erzählt. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

Die wirklich gute Nachricht ist: Vieles, was Felix im Alltag einschränkt, können wir behandeln. Und dass Felix sogar schon wieder ein kleines bisschen hören kann, hat er euch ja selbst erzählt. Darüber freuen wir uns wirklich riesig.

Nun aber zu den weniger guten Nachrichten: Leider wurden Veränderungen an der Lunge und im rechten Ohr entdeckt. Wie es nun weitergeht, werden die nächsten Untersuchungen und Testergebnisse zeigen.

Natürlich macht uns das Sorgen. Trotzdem schauen wir hoffnungsvoll nach vorne. Felix hat schon so viel geschafft. Jetzt gehen wir auch die nächsten Schritte gemeinsam mit ihm.

Astrid

06.07.26 – Wellnesstag

Heute hat Astrid beschlossen, dass ich einen Wellnesstag bekomme.

Zuerst wurde ich gebürstet. Das kenne ich inzwischen schon. Dabei werde ich ganz ruhig und könnte fast einschlafen.

Dann holte Astrid eine kleine Schere. Ich dachte erst: Jetzt wird’s bestimmt komisch. Wurde es aber gar nicht. Ganz vorsichtig schnitt sie mir die langen Haare zwischen meinen Ballen weg, an denen immer kleine Äste und anderer Kram hängen bleibt. Zwischendurch wurden meine Pfoten immer wieder massiert. Ich muss ehrlich sagen: Das war ziemlich großartig.

Danach gab es noch eine ausgiebige Massage und ganz viel Kraulen. Himmlisch.

Sogar meine Ohren waren wieder dran. Ohren kraulen mag ich sehr. Irgendwann kam aber wieder das Gel hinein. Das mag ich zwar nicht besonders. Aber zu so einem Wellnesstag gehört das wohl einfach dazu.

Was für ein Traumtag. Einfach die Augen zumachen. Und genießen. So etwas kannte ich von früher gar nicht. Ich glaube, ich werde immer besser darin, mich verwöhnen zu lassen.

Bis bald. Euer Felix

09.07.26 – Spazieren gehen

Astrid und ich gehen jeden Tag spazieren. Früher kannte ich so etwas gar nicht. Einfach loslaufen. Schnüffeln. Schauen, wer hier wohnt. Und dabei ein Mensch hinten dran an der Leine.

Astrid kommt jeden Tag mit. Aber sie schnüffelt überhaupt nicht. Hat sie gar kein Interesse an ihrer Umgebung? Und warum kommt sie trotzdem mit?

Meine Hinterbeine sind noch nicht so stark. Früher habe ich fast immer gelegen, es war zu eng für alles andere. Ich bin ja auch ein großer Kerl mit langen Beinen.

Darum sagt Astrid, Spazierengehen ist gut für mich. Und ich glaube, sie hat recht. Jeden Tag wird es ein bisschen leichter. Meine Beine laufen inzwischen immer mehr von alleine und es ist nicht mehr ganz so anstrengend.

Heute habe ich Raffy kennengelernt. Das ist ein Hund, der hier nebenan wohnt. Wir mochten uns sofort.

Später habe ich Hendrik getroffen. Das ist ein Mensch, der auch hier nebenan wohnt. Wir mochten uns auch sofort.

Beim Spazierengehen lerne ich ständig neue Hunde und Menschen kennen. Das ist schön. Ich mag Hunde. Und hier mag ich auch Menschen.

Ich glaube, Astrid hat recht. Spazierengehen ist eine gute Idee.

Bis bald. Felix

11.07.26 – Ein weiterer Schritt für meine Gesundheit

Heute haben Astrid und die anderen Menschen wieder ganz viel über mich gesprochen.

Ich habe das mitbekommen, weil sie mich immer wieder angeschaut haben und ich mittlerweile ja auf der einen Seite auch ein bisschen hören kann.

Verstanden habe ich es trotzdem nicht richtig. Vielleicht liegt es daran, dass mein anderes Ohr immer noch gar nichts hören kann.

Astrid hat mir später erzählt, dass ich bald noch einmal zu einem Tierarzt fahren muss. Da machen die Menschen ganz besondere Bilder von meinem Kopf, damit sie endlich wissen, wie sie mir helfen können.

Ich finde das alles ziemlich aufregend. Aber wenn ich danach wieder nach Hause zu Astrid darf, mache ich das.

Den Rest erzählt euch Astrid lieber selbst.

Mittlerweile haben wir die Ergebnisse der Untersuchungen vom letzten Tierarztbesuch bekommen. Leider haben wir dadurch noch nicht auf alle Fragen eine Antwort bekommen.

Jetzt braucht Felix noch ein CT in einer Tierklinik. Erst danach können die Tierärzte entscheiden, welche Behandlung für ihn die richtige ist.

Natürlich machen wir uns Sorgen. Aber wenn ich Felix anschaue, sehe ich einen fröhlichen Hund, der sein neues Leben endlich genießen kann. Genau deshalb werden wir alles tun, damit er die bestmögliche Hilfe bekommt.

Das CT und die weitere Behandlung werden allerdings hohe Kosten verursachen. Deshalb hoffen wir sehr, dass viele Menschen Felix auf seinem weiteren Weg begleiten und unterstützen.

Felix hat schon so viele Herzen erobert. Wir hoffen, dass ihn diese Herzen jetzt auch auf seinem weiteren Weg tragen.

Bis bald. Felix und Astrid

12.07.26 – Ein richtiger Sonntag

Heute war ein richtiger Sonntag. Mit ganz viel Sonne.

Ich dachte ja, sonntags schläft man aus. Astrid war da anderer Meinung. Als sie uns geweckt hat, habe ich erst so getan, als würde ich noch tief schlafen. Vielleicht merkt sie ja nicht, dass ich schon wach bin. Hat sie aber doch.

Also sind wir los. Astrid, meine Hundekumpels und ich. Wir waren die Einzigen auf den Straßen. Macht ja auch Sinn. Es war Sonntag und noch ganz früh.

Aber ich muss zugeben: Die Luft war noch richtig schön kühl. Astrid hat häufig gute Ideen, auch wenn sie erst komisch wirken.

Mittags haben wir dann fast nur im kühlen Haus gelegen. Ich. Mein Rudel. Sogar Kater Milow. Und wir haben ganz viel nichts gemacht. Das mag ich. Das kann ich ziemlich gut.

Abends wurde die Luft wieder angenehm. Also ging es noch einmal in den Garten.

Ich habe Vivi zu einem Wettrennen herausgefordert. Wie kann die Kleine mit ihren kurzen Beinen nur so schnell sein? Verstehe ich nicht. Meine Beine sind viel länger. Aber Vivis Beine sind viel schneller. Ich glaube aber, ich werde langsam auch schneller.

Danach wollten Muffin und ich unbedingt dieselbe flauschige Ente haben. Ich war ziemlich sicher, dass ich sie bekomme. Muffin offenbar auch. So ging das immer hin und her. Der armen Ente muss ganz schlecht geworden sein.

Das war ein richtig schöner Sonntag. Vielleicht kann ja öfter Sonntag sein.

Bis bald. Felix 

13.07.26 – Meine beste Freundin

Als ich hier angekommen bin, habe ich schon von Vivi erzählt. Damals habe ich gesagt: „Die ist toll. Ich will ihr Freund sein.“ Und ich glaube, das hat geklappt.

Vivi und ich verstehen uns, ohne dass wir reden müssen. Das ist praktisch. Ich rede am liebsten mit Blicken.

Wir machen Wettrennen. Meistens gewinnt Vivi. Obwohl meine Beine viel länger sind. Ich glaube, Vivi kann fliegen.

Wir spielen zusammen. Wir laufen zusammen durch den Garten. Und wenn wir spazieren gehen, läuft Vivi einfach los, als wäre das das Normalste auf der Welt. Am Anfang habe ich das mit der Leine noch nicht so gut verstanden. Vivi schon. Also habe ich sie einfach beobachtet. Irgendwann wusste ich: „Ach so … so geht das.“

Wenn Astrid etwas von mir möchte und ich es nicht gleich verstehe, schaut Vivi mich an, als würde sie sagen: „Komm einfach mit. Das ist schon richtig so. Ich zeige dir, wie das geht.“

Es ist schön, jemanden zu haben, der einem zeigt, wie das Leben hier funktioniert.

Ich glaube, jeder Hund sollte eine Vivi haben. Ich jedenfalls möchte meine nie mehr missen.

Bis bald. Felix

15.07.26 – Gute Nachrichten

Ich bin wieder zu Hause. Gestern war ich vielleicht müde. Da war ich wirklich zu kaputt, um vom Tag zu berichten.

Der Tag gestern fing schon komisch an. Astrid hat mich ganz früh geweckt und mir etwas zu essen gegeben. Dafür stehe ich gerne früh auf. Vor allem, wenn später noch ein zweites Frühstück kommt. Kam aber nicht. Und vormittags und mittags gab’s auch nichts. Gar nichts. Ich habe Astrid mehrmals erklärt, dass das bestimmt ein Versehen ist. Sie hat mich aber offenbar nicht verstanden. Sonst hätte sie mir bestimmt etwas gegeben.

Später sind wir mit dem Auto zu einer Tierklinik gefahren. Da durfte ich wieder ganz tief schlafen. Als ich aufgewacht bin, haben mal wieder ganz viele Menschen über mich gesprochen. Das kenne ich ja jetzt schon. Verstanden habe ich natürlich wieder nichts.

Aber diesmal war etwas anders. Alle haben gelächelt. Und so erleichtert geguckt. Da wusste ich: Das muss etwas Gutes sein.

Jetzt bin ich wieder zu Hause, ruhe mich aus und denke über gestern nach.

Aber ich glaube, Astrid will noch mehr erzählen. Die kann das besser als ich.

 

Astrid erzählt

Gestern wurde bei Felix das CT durchgeführt, auf das wir so lange gewartet haben.

Die Erleichterung war riesig.

Nach allem, was die Tierärzte heute sehen konnten, sind sie sich zu 90 Prozent sicher, dass das Gebilde in Felix’ Ohr kein bösartiger Tumor ist. Außerdem hat sich bestätigt, dass es nicht ins Gehirn gewachsen ist, sondern auf den Gehörgang begrenzt bleibt.

Zusätzlich wurde eine Biopsie entnommen. Das endgültige Ergebnis erwarten wir in etwa einer Woche. Erst dann können wir die weitere Behandlung genau planen. Im Moment gehen die Tierärzte aber davon aus, dass das Ganze operabel ist.

Bis dahin heißt es für Felix: weiter Ohr spülen, die Entzündung abheilen lassen und sich gut erholen.

Jetzt überwiegt vor allem eines: Erleichterung.

Vielen Dank an alle, die Felix auf seinem Weg begleiten, mitfiebern und ihm weiterhin die Daumen drücken!

16.07.26 – Wir schaffen das

Mir geht es nach dem Tag in der Tierklinik wieder richtig gut. Am schönsten ist es, wieder bei meinem Rudel zu sein.

Im Moment gibt es aber jeden Tag dasselbe Programm, das ich nicht so mag. Erst spült Astrid mein Ohr. Dann denke ich immer: So, geschafft. Aber nein. Später kommen wieder die Ohrentropfen. Das finde ich ehrlich gesagt überhaupt nicht toll.

Aber Astrid ist immer ganz vorsichtig. Ich halte so gut still, wie ich kann. Das ist ganz schön schwierig.

Danach brauche ich erst einmal etwas für meine Seele.
Entweder ich tobe wie verrückt durch den Garten.
Oder ich lasse mich ganz lange kraulen und massieren.
Beides hilft.

Astrid sagt, das alles muss sein, damit mein Ohr erst richtig heilen kann und ich später operiert werden kann.

Ich verstehe das zwar nicht. Aber ich vertraue Astrid. Und deshalb schaffen wir das.

Bis bald. Felix

17.07.26 – Mein Lieblingsgeräusch

Gestern habe ich euch erzählt, dass Astrid ständig irgendetwas mit meinen Ohren macht.

Und heute merke ich: Vielleicht bringt das alles ja wirklich etwas. Ich glaube, ich höre inzwischen noch ein kleines bisschen mehr.

Es gibt ein Geräusch, das ich sofort erkenne.

Rappel, rappel, rappel.

Dann renne ich sofort zu Astrid. Das ist ihre kleine Dose. Ich weiß nicht, wie sie das macht. Erst rappelt sie. Dann macht sie den Deckel auf. Und jedes Mal sagt kommt ein richtig leckeres Leckerchen heraus.

Ich habe schon nachgeschaut. Von außen sieht die Dose ganz normal aus. Aber innen muss sie wohl zaubern können.

Vielleicht sind die Tierarztbesuche, die Ohrspülungen und die Tropfen doch nicht nur doof.

Denn ohne sie hätte ich mein neues Lieblingsgeräusch vielleicht nie kennengelernt.

Rappel, rappel, rappel.

Ich glaube, das ist jetzt mein neues Lieblingsgeräusch.

Bis bald. Felix

18.07.26 – So viel Glück

Ich habe wirklich viel Glück. Das habe ich mir nicht nur ausgedacht. Astrid hat mir erzählt, dass Felix „der Glückliche“ bedeutet. Na, dann muss ich ja wohl wirklich Glück haben.

Neulich habe ich euch schon von Vivi erzählt. Sie ist meine beste Freundin zum Toben, Wettrennen und Quatschmachen.

Und jetzt habe ich hier sogar noch eine Freundin. Greta. Eine Freundin zu haben, ist schon großes Glück. Zwei Freundinnen zu haben, ist doppeltes Glück.

Mit Greta lese ich immer Nachrichten im Garten. Ich schnuppere. Greta schnuppert. Und irgendwann wissen wir beide genau, was heute so los ist.

Manchmal liegt sie auch einfach neben mir. Ganz ohne etwas zu sagen. Ich glaube ja, sie passt ein kleines bisschen auf mich auf. Das ist ein schönes Gefühl.

Nur bei einer Sache hört unsere Freundschaft auf. Kaustangen. Greta teilt ihre nicht mit mir. Ich habe das ausprobiert. Mehrmals. Sie war jedes Mal derselben Meinung. Schade eigentlich. Aber ehrlich gesagt … Ich teile meine Kaustange auch nicht mit ihr.

Ich glaube, so funktioniert Freundschaft manchmal.

Ich habe wirklich viel Glück.

Bis bald. Felix

19.07.26 – Immer ein bisschen leichter

Heute habe ich etwas Neues bekommen. Ein Halsband.

Als ich hier angekommen bin, trug ich ein Geschirr mit ganz vielen Gurten. Das mochte ich nicht so gern. Irgendwie roch es noch nach der langen Reise. Und an die wollte ich eigentlich gar nicht mehr erinnert werden.

Später bekam ich ein anderes Geschirr. Weniger Gurte. Weniger Erinnerungen. Damit fühlte ich mich gleich viel freier.

Und heute habe ich statt des Geschirrs ein Halsband bekommen. Das gefällt mir am besten.

Da ist fast nichts mehr an meinem Körper. Das reicht völlig.

Astrid sagt, wir können damit auch ohne Leine spazieren gehen, weil ein Griff daran ist. Und wenn es nötig ist, kann man trotzdem eine Leine befestigen.

Aber ganz ehrlich? Ich weiß gar nicht, warum das nötig sein sollte.

Hier sind Greta und Vivi. Meine Jungs. Kater Milow. Und Astrid. Die ist ganz besonders wichtig. Warum sollte ich da weglaufen?

Ich glaube, Halsband, Geschirr oder Leine sind gar nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist, wer am anderen Ende mitgeht.

Bis bald. Felix

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